HTC Vive Test ( Steam VR )

HTC Vive Test ( Steam VR )
Bewerten Sie dieses VR Gerät »
Sichtfeld110°
Auflösung2160 x 1200px
ErscheinungsterminSeit Q1 2016 auf dem Markt
Framerate90 FPS
Gewicht555 Gramm
Preis900 €
StromversorgungUSB
TechnikOLED display
Tracking360° Head Tracking
Korrektur+6.00 dpt bis -6.00 dpt einstellbar
BesonderheitenTechnisch fortschrittlichste VR Brille 2016
Sound3D Sound
NameHTC Vive

Das taiwanische Unternehmen HTC hat gemeinsam mit dem Computerspiele-Entwickler Valve im April 2016 seine erste eigene VR-Brille auf den Markt gebracht, die unter dem Namen HTC Vive vertrieben wird. Momentan ist sie für rund 900 Euro im Online-Store von HTC und auch bei Amazon erhältlich.

Anforderungen an die Hardware und ans Wohnzimmer

Damit man das Potenzial der HTC Vive vollständig ausschöpfen kann, benötigt man zunächst ein entsprechend großes Zimmer. Der Spielbereich muss eine Größe von mindestens zwei mal anderthalb Metern aufweisen. In großen Wohnzimmern ist es möglich, die Basis-Stationen bis zu fünf Meter voneinander entfernt aufzustellen. Außerdem ist ein ausreichend leistungsfähiger PC erforderlich. Die folgenden Spezifikationen sind laut Hersteller notwendig:

  • Grafikkarte: AMD Radeon R9 290, Nvidia GeForce GTX 970 oder besser
  • Prozessor: AMD FX 8350, Intel Core i5-4590 oder besser
  • Arbeitsspeicher: mindestens 4 Gigabyte
  • Video-Ausgang: DisplayPort 1.2, HDMI 1.4 oder neuer
  • USB-Anschluss: USB 2.0 oder besser

Das Programm Steam VR Performance Test hilft dabei zu ermitteln, ob die Hardware des Computers die Ansprüche der VR-Brille erfüllt. Zudem wird als Betriebssystem Windows 7 SP1 oder neuer benötigt.

Lieferumfang, Aufbau und Installation

Bevor man in die virtuelle Welt eintauchen kann, muss man die HTC Vive auspacken, aufbauen und installieren. Nach dem simplen Prinzip „Plug and Play“ funktioniert das leider nicht. Im Karton ist allerhand Zubehör enthalten, das für den Aufbau erforderlich ist:

  • Zwei Controller
  • Zwei Basis-Stationen
  • Schaumstoff, um das Headset an die eigene Kopfgröße anzupassen
  • Vier Netzteile
  • 3-in-1-Kabel
  • Linkbox
  • Drei USB-Kabel
  • Halterungen, um die Basis-Stationen anzuschrauben
  • Klebepad für die Befestigung der Basis-Stationen
  • Kopfhörer
  • Brillen-Putztuch
  • Info-Heft

Bei der Einrichtung ist der HTC Vive Nutzer nicht auf sich selbst gestellt. Das Setup-Programm erläutert ausführlich, wie man beim Aufbau und der Verkabelung vorgehen muss. Die Basisstationen müssen mittels Akkuschrauber an die Zimmerwand geschraubt oder auf Kamerastativen befestigt werden. Andernfalls sind sie nicht hoch genug im Raum, wodurch die Lasertechnologie nicht funktionieren würde.

Damit die HTC Vive funktioniert, muss ein Raum abgesteckt werden, in dem die beiden Basis-Stationen den Controller und die Brille erkennen. Dieser Raum muss nicht zwangsläufig sehr groß sein, weil man die Controller in dem zur Verfügung stehenden Raum bewegt und das jeweilige Programm innerhalb dieses Bereichs eine rechteckige Fläche festlegt, die zum Spielen verwendet wird. Demnach entscheidet jedes Spiel selbst, ob die Bereichsgröße ausreichend ist oder ob mehr Platz benötigt wird.

Stöbert man später im Shop oder möchte ein Spiel in Steam VR starten, so ist dank der „Room Scaling“-Anzeige auf den ersten Blick erkennbar, ob der Raum groß genug ist. Das heißt, dass es prinzipiell auch in kleinen Zimmern möglich ist, die HTC Vive zu nutzen. Allerdings gilt auch: Je größer der Raum ist, desto besser und realistischer wird das VR-Erlebnis sein.

Mindestens eine Stunde sollte für den Aufbau der HTC Vive eingeplant werden. Es ist von Vorteil, über technisches Know-How zu verfügen oder sich schon im Voraus einen entsprechenden Mithelfer zu organisieren.

Tragekomfort und Handhabung der VR-Brille

Nachdem alles eingerichtet ist, kann die VR-Brille aufgesetzt werden. Das klappt mit etwas Übung allein, allerdings ist beim ersten Mal ein wenig Hilfe empfehlenswert. Durch die Kabel gestaltet sich das Aufsetzen am Anfang sonst etwas schwierig. Klettverschlüsse dienen dazu, die HTC Vive so eng wie möglich am Kopf zu befestigen. Auf diese Weise lässt sich das Headset auf nahezu jede Kopfgröße abstimmen.

Die Brille ist angenehm gepolstert, wodurch ein gutes Tragegefühl entsteht. Auch nach mehreren Stunden des Tragens fühlt sich die VR-Brille nicht unangenehm am Kopf an.

Brillenträger kommen mit der HTC Vive ebenfalls gut zurecht. Manche Tester beschreiben jedoch nach einer Stunde der Verwendung leichte Kopfschmerzen, die nach dem Absetzen auftreten. Wer noch länger spielt, gerät unter der Brille mit der Zeit ins Schwitzen. Das liegt auch daran, dass sie sich spürbar erwärmt.

Möchte man dem mitgelieferten oder eigenen Kopfhörer nutzen, muss man diese erfühlen, um sie unter der VR-Brille aufzusetzen. Bei der HTC Vive werden auch die Hände mit eingesetzt. Dafür dienen die mitgelieferten Controller, die entweder als Hände oder als virtuelle Controller im Spiel sichtbar sind. Ein kleiner Nachteil besteht darin, dass die Brille über ein fünf Meter langes Kabel mit dem Computer verbunden wird. Deshalb ist es möglich, dass man während des Spiels auf das Kabel tritt oder sogar stolpert.

Unboxing einer brandneuen HTC Vive:

Spiele und Software-Titel für die HTC Vive

Wenn man sich eine HTC Vive kauft, erhält man drei Spiele gratis dazu: Fantastic Contraption, Tilt Brush und Job Simulator. Letzterer zeigt dem Nutzer bereits die Stärken und Besonderheiten der HTC Vive. Man arbeitet zum Beispiel als Kassierer in einem kleinen Geschäft und bedient die Kunden. Dafür ist es erforderlich, sich frei im Raum zu bewegen, sich zu bücken, Knöpfe zu drücken und sich zu drehen. Bei Fantastic Contraption handelt es sich um einen Physik-Puzzler, bei dem man sich um sein selbst erschaffenes Bauwerk bewegen kann oder sich im Spiel einen Helm aufsetzt. Auf einem ähnlichen Prinzip basiert auch das letzte gratis Spiel Tilt Brush. Und natürlich ist auch die Adult-Industrie schon aufs Boot aufgesprungen und bietet Steam VR Porn an - wie sollte es auch anders sein, die Pornoindustrie war schon immer der Vorreiter bei jeder neuen Unterhaltungstechnologie.

htc-vive-family

Hier ist jedoch Kreativität gefragt, denn man entwirft dreidimensionale Zeichnungen, schminkt Schneemänner oder designt Kleidungsstücke auf einer Schneiderpuppe. Der Spieler hat die Möglichkeit, GIFs und Fotos von den eigenen Kreationen aufzunehmen, um sie mit Freunden zu teilen.

Weitere VR-Spiele werden im Steam-Shop angeboten. Dazu gehört zum Beispiel das beliebte Game „The Lab“ oder „Call of the Starseed“. Bei Letzterem handelt es sich um ein Adventure. Dieses Genre ist perfekt, um alle Vorteile der VR-Welt auszunutzen. Die Preise für einzelne Spiele-Titel bewegen sich zwischen gratis und knapp 40 Euro.

Spielerfahrung mit der VR-Brille von HTC

Auch wer bereits Erfahrungen mit der virtuellen Welt gesammelt hat, wird von dem Spielerlebnis mit der HTC Vive begeistert sein. Die Möglichkeit, sich im Raum zu bewegen und diese Bewegung dank der 80 Sensoren mit seinen eigenen Augen in der virtuellen Welt zu sehen, ist etwas ganz Besonderes. Gerade am Anfang macht der Spieler automatisch ein paar Schritte zurück, wenn plötzlich ein Gegner vor ihm auftaucht. Mit der HTC Vive in die virtuelle Welt einzutauchen, ist nicht mit einem entspannten Computerspiel vergleichbar. Je nach Art des Spiels befindet man sich permanent in Bewegung, sodass das Spielerlebnis schon beinahe an Sport grenzt.

Die VR-Controller tragen ebenfalls ihren Teil dazu bei, die Spielerfahrung realistisch zu gestalten. Sie reagieren präzise und werden je nach Spiel als eigene Hände oder Waffen eingesetzt. Die Basis-Stationen erkennen die mit den Controllern ausgeführten Bewegungen schnell, sodass sie in der VR-Welt entsprechend realistisch dargestellt werden. Hin und wieder kommt es bei manchen Spiele-Titeln aber noch zu Aussetzern. In diesem Fall ist es ratsam, die Basis-Stationen noch einmal neu auszurichten.

Das realistische Spielerlebnis mit der HTC Vive wird nur selten gebrochen. Das gilt zum Beispiel, wenn man sich im Raum weiter nach vorne bewegen möchte, als das durch die abgesteckte Fläche möglich ist. Dann wird die Fläche durch Zeigen und Klicken mit dem Controller auf eine andere Spielstelle versetzt. So kann man sich durch Adventures und Rollenspiele bewegen. Wie gut die Spielerfahrung mit der HTC Vive insgesamt ist, richtet sich auch nach den jeweiligen Spielen: Manche laufen perfekt und fehlerfrei, während man bei anderen noch Grafik-Ruckeln und Clipping-Fehler in Kauf nehmen muss.

Vorteile und Nachteile der HTC Vive

Um die Frage zu beantworten, ob sich die Investition in eine HTC Vive lohnt, sind nachfolgend alle wichtigen Vor- und Nachteile gegenübergestellt:

Vorteile:

  • Sehr hoher Tragekomfort dank angenehmer Polsterung
  • Für Brillenträger geeignet
  • Realistisches und beeindruckendes Spielgefühl
  • Room Scaling möglich
  • Große Spielauswahl

Nachteile:

  • Aufbau ist zeitaufwendig und komplex – für Menschen ohne technisches Know-How schwierig
  • Stolpergefahr durch Kabelverbindung
  • Anschaffungskosten mit etwa 900 Euro sehr hoch
  • Alles in allem gilt die HTC Vive derzeit als VR-Brille mit der realistischsten Spielerfahrung

Fazit

vive experience

Vor einigen Jahren konnten Gamer von der virtuellen Realität lediglich träumen, seit diesem Jahr ist dieser Traum endlich in Erfüllung gegangen. Die HTC Vive ist eine der ersten VR-Brillen, die auch für Endkunden erhältlich ist und gleichzeitig eine ausgezeichnete Spielerfahrung in der virtuellen Welt ermöglicht. Das ist vor allem der Steam-Anbindung zu verdanken. Zudem sind viele verschiedene Programme und Spiele für die VR-Brille erhältlich, die die Stärken des Headsets optimal ausnutzen.

Ein weiterer großer Vorteil, der für den Kauf der HTC Vive spricht, ist die Möglichkeit für Room Scaling. Dadurch kann sich der Spieler in einem großen Raum bewegen, sodass sich für echte Spiele nahezu unendliche Möglichkeiten eröffnen. Bei den Spielen anderer VR-Brillen handelt es sich derzeit hauptsächlich um Cockpit-Spiele, damit das Gehirn durch die fehlende Körperbewegung nicht verwirrt wird. Die HTC Vive hingegen kann durch ihre Bewegungsfreiheit eine große Palette an Genres nutzen.

Es gibt aber auch bei der HTC Vive ein paar Kritikpunkte: Bei manchen Spielen gibt es momentan noch unangenehme Aussetzer und auch der Aufbau der VR-Brille ist zeitaufwendig und anstrengend. Teilweise treten technische Probleme auf, die sich nur mit dem entsprechenden Know-How lösen lassen. Mit einem Anschaffungspreis von 900 Euro plus die Kosten für zusätzliches Setup-Zubehör und Spiele ist die HTC Vive kein Schnäppchen. Nichtsdestotrotz ist sie ein Muss für alle, die möglichst realistisch in die VR-Welt eintauchen möchten und sich ein großes Spektrum an Spielen wünschen.

Bilder von vive.vom.
Schreiben Sie eine Rezension